Erster Sieg im letzten Spiel – versöhnlicher Saisonabschluss für die Blindenfußballer von Viktoria Berlin

Gruppenfoto auf dem Spielfeld mit den in der Bildbeschreibung genannten Personen. In drei Reihen nach Größe aufgereiht. In der vorderen Reihe gehen Nasser und Ramon etwas in die Knie. Timo geht beiden trotzdem nur bis zur Schulter. Die Spieler tragen Spielkleidung.
Hintere Reihe v.l.n.r.: Edis Veljkovic, Thaddäus Wartenberg, Matthias Ryschelski;
Mittlere Reihe v.l.n.r.: Moritz Klotz, Lars Stetten, Hermann Petrick, Oliver Heise, Nico Rother, Raghdan Madir, Anna-Lena Pryssok;
Vordere Reihe v.l.n.r.: Nasser Alwan, Timo Rother, Ramon Pryssok

Am Samstag stand in Halle an der Saale der Finalspieltag der diesjährigen Blindenfußball-Bundesligasaison an. Erstmals in der Geschichte der Liga wurden dabei die finalen Platzierungen der Teams in Playoffs ausgetragen, so dass wir trotz einer bis dato eher ernüchternden Saison mit 7 Niederlagen aus 7 Spielen und 0:41 Gegentoren die große Chance hatten, einen versöhnlichen Abschluss hinzubekommen.

Im Spiel um Platz 7 bekamen wir es mit der SG PSV Köln/Teutonia Köppern als Gegner zu tun, gegen die wir bereits in der regulären Saison nur knapp mit 0:2 verloren hatten.

Die Vorzeichen für das Playoff-Spiel standen indes richtig gut. Erstmals in dieser Saison zählte sich unsere konsequente Nachwuchsarbeit aus und wir konnten das Spiel mit einer reinen Berliner Startmannschaft angehen – unterstützt auf der Reservebank von unseren SG-Kameraden vom TSV 1860 München.
Wie schon die ganze Saison über, war auch beim Spiel am Samstag gegen Köln auf dem Marktplatz von Halle/Saale eine deutliche, positive Entwicklung des gesamten Teams zu erkennen.

Trotz einer Anreise-Odyssee – unser Flixbus aus Berlin brauchte mal eben 6 statt 2 Stunden nach Halle – und der damit verbundenen extrem kurzen Nacht waren unsere Spieler vom Anpfiff um 9 Uhr morgens an hellwach und hochmotiviert. Der zu Beginn dieser Saison neu zusammengestellte Abwehrverbund aus Routinier Lars Stetten und Newcomer Nasser Alwan überzeugte durch hervorragendes Stellungsspiel und großen Kampfwillen.

Spielszene. Stürmer von Köln/Köppern führt den Ball zentral etwa 9 Meter vom Tor der SG Berlin/München entfernt. Etwa 2 Meter vor ihm erwartet ihn Nasser Alwan. Links von Nasser hält sich Lars Stetten bereit einzugreifen. Leicht nach rechts vorne versetzt deckt Nico Rother einen weiteren Angreifer.
Hier ist kein Durchkommen.

Ähnlich gut funktionierte auch das offensive Zusammenspiel zwischen Routinier Edis Veljkovic und unserem zweiten Newcomer der Saison, Nico Rother.
Während der endlich wieder genesene und schmerzfreie Nationalstürmer Veljkovic mit seiner ganzen Klasse und Routine die gesamte Spielzeit vorneweg ging und sich auch für keinen noch so weiten Weg zurück zur Unterstützung der Abwehr zu schade war, zeigte Jungspund Nico Rother mit seinen gerade mal 12 Jahren im letzten Spiel seiner ersten Blindenfußball-Bundesligasaison noch einmal seine unfassbares Talent und bereitete der Defensive von Köln/Köppern mehr als nur einmal ordentlich Probleme. Nur mit dem ersten Bundesligator sollte es auch im letzten Spiel seiner ersten Saison nichts werden.

Nico Rother (l.) und Edis Veljkovic beim Anstoß.

Die Tore zum 2:0 Sieg unserer Viktorianer Jungs am Ende eines spannenden, fairen und unglaublich engen Fights erzielte so Edis Veljkovic und sorgte damit mit den ersten Toren der Saison nicht nur für den ersten Sieg der Saison sondern sicherte uns auch den 7. und damit vorletzten Platz in der Abschlusstabelle.

Der sportlich weitaus größere Erfolg dieser Saison ist aber eindeutig in der intensiven Verstärkung der Nachwuchsarbeit zu sehen. Unsere Trainingsgruppe ist zwischenzeitlich auf über 10 Spielerinnen und Spieler gewachsen. Die Zahl der Neulinge übersteigt inzwischen die Zahl der Routiniers und mit Nasser und Nico konnten wir zwei der Neuen auch direkt in der Bundesliga etablieren.

Größter Lohn dieser konsequenten Arbeit war dann auch die Auszeichnung von Nico als „Newcomer der Saison 2017“, die er unter großem Applaus aller Teams und Zuschauer entgegennehmen durfte.

Niko Rother steht auf dem Spielfeld (mittlerweile umgezogen) und hält die Trophäe für den "besten Newcomer" in der Hand. Neben ihm steht der Chemnitzer Sebastian Themel mit der Trophäe für den "besten Torhüter".
Ein stolzer „bester Newcomer“ (nicht im Bild: Stolze Mitspieler, Betreuer und Trainer).

2018 wollen wir dann auch aufgrund dieser positiven Entwicklungen in unserer Nachwuchsarbeit wieder als eigenständiges Team „FC Viktoria 1889 Berlin – Blindenfußball“ in der Deutschen Blindenfußball-Bundesliga an den Start gehen und dann – aufbauend auf den Grundlagen, die wir abseits des Spielbetriebs dieses Jahr in jedem einzelnen Training erarbeitet haben – auch wieder ein wenig weiter oben in der Tabelle mitmischen.

Die lange Wartezeit bis zum Beginn der kommenden Saison im April/Mai 2018 werden wir mit hartem Training, Testspielen und vielleicht auch dem ein oder anderem Turnier überbrücken. Und auch hier werdet ihr immer wieder mal den ein oder anderen Artikel von, mit und über uns und unsere Mannschaft finden.
Wir danken jedem Einzelnen in Verein, Liga und unserem Team für eine harte, lehrreiche aber irgendwie auch geile Saison und freuen uns schon jetzt auf die kommende Spielzeit!

Ein ganz spezieller Dank geht dabei selbstverständlich an unsere SG-Kameraden aus München. Es war eine tolle Saison mit euch und wir drücken euch die Daumen, dass auch der Blindenfußballstandort München bald wieder größer wird und ihr ein eigenes Team auf die Beine gestellt bekommt. Auch wenn wir Berliner nächstes Jahr wieder als eigenständige Mannschaft antreten wollen, sind wir sehr gerne dabei, wenn ihr mal ein gemeinsames Trainingswochenende oder Testspiel mit uns machen wollt. Wer, wenn nicht wir in Berlin, wüsste nicht, wie schwierig die Aktivierung der Nachwuchsarbeit ist?! Danke und alles Gute für die Zukunft!

Foto der Trophäe für das erreichen des 7. Platzes. in Nahaufnahme auf Kunstrasen.